Selbstliebe oder Selbst­verliebtheit?

Erkenne die ersten Anzeichen narzisstischer Eigenschaften und bleibe in Balance.

Im Laufe der Jahre sind mir auf Social Media wiederholt Beiträge zum Thema „Narzissmus“ begegnet, die in meiner Wahrnehmung oftmals sehr stark in die Bewertung gegangen sind.
Es ist ein polarisierendes Thema und so ergeben sich relativ schnell Opfer- und Täterschubladen. Aus diesen müssen die jeweiligen Personen dann erst herausklettern, um wieder ganz bei sich anzukommen. Ob Du Dich nun als Betroffene/r schonmal in der Opfer- oder Täterrolle wiedergefunden hast: Es gibt einen Weg aus der Bewertung heraus!

Wichtig: Das entspringt meiner Wahrnehmung und Du darfst Deine komplett eigene Sicht auf alles behalten. Der Artikel richtet sich an diejenigen, die offen und bereit für Veränderung sind und soll so vielen wie möglich zum höchsten Wohle dienen.

Zuerst einmal darf man sich bewusst machen, dass wir alle narzisstische Züge haben können.
Was allen Formen des Narzissmus zu Grunde liegt, ist die Herausforderung, den eigenen Selbstwert richtig einschätzen zu können. Andauernde Minderwertigkeitskomplexe und die tiefsitzende Angst zu Versagen stammen häufig aus unserer Kindheit. Und zeigen sich als Trigger häufig in genau den Lebensbereichen, in denen wir als Kind keine oder zu wenig Liebe erfahren haben. Um an diesem Mangel an Aufmerksamkeit nicht völlig zu zerbrechen, haben viele Menschen gelernt sich zu schützen. Ein Symptom davon ist die Sucht – oder besser gesagt Suche – nach Bewunderung und Anerkennung. Manchmal mit extremen Auswirkungen auf das zwischenmenschliche Zusammenleben.

So wie die Selbstliebe verschiedene Facetten kennt, hat auch die Definition von Selbstverliebtheit (Narzissmus) viele unterschiedliche Ausprägungen. Und nur weil Du Dir ab sofort erlaubst zu denken, zu fühlen und zu sagen, dass Du bspw. „das gailste Wienerwürstchen von Hier bis zum Rio Grande“ bist, so bist Du noch lange kein Narzisst!
In meiner Wahrnehmung kippt es im gesellschaftlichen Miteinander an dem Punkt, wo jemand einen anderen niedermacht, betrügt oder skrupellos ausnutzt, um sich selbst besser zu fühlen. Und das im Kern nicht etwa, weil er oder sie so selbstverliebt wäre, sondern genau das Gegenteil. Der Zweifel an eigenen Liebenswürdigkeit ist oftmals so groß, dass Bestätigung im Außen gesucht wird. Wird diese nicht oder als zu gering empfunden, dann zeigt sich der wahre tiefe Schmerz der Selbstverachtung. Und das in Verbindung mit dem Nicht-fühlen-wollen von Gefühlen wie Scham führt zu destruktivem Verhalten.

Wer narzisstische Züge zeigt, ist darum in meiner Wahrnehmung einfach nicht richtig mit sich und seinen Gefühlen in Verbindung. Die Verachtung aus der Kindheit wird dann einfach auf das jeweilige Gegenüber übertragen. Von einfühlsamem Verhalten keine Spur! Mitgefühl setzt aber das tiefe Fühlen voraus. Mit Empathie würde ein so tief verletzter Mensch sein Gegenüber nicht mehr als Feindbild sehen, sondern als wichtigen und wertvollen Teil der großen Menschheitsfamilie anerkennen. Vom „ich“ gegen „die anderen“ hin zum „Wir“. Da aber eben genau dieses Bewusstsein fehlt, liebt der Narzisst sich eigentlich nicht einmal selbst, sondern nur das Bild, das er von sich hat. Dieses Selbstbild ist auf Grund emotionaler Kindheitswunden von einem unerreichbarem überzogenem Perfektionismus geprägt. Eine narzisstische Persönlichkeit glaubt dann, diese Vorstellung von sich selbst schützen und gegen jeden vermeintlichen Angriff verteidigen zu müssen. Die Unsicherheit und der niedrige Selbstwert liegen oft so tief vergraben, dass man einem Narzissten diese kaum anmerken könnte, wenn das Bedürfnis nach Anerkennung nicht so stark wäre. Gerade weil diese Gier nach Bewunderung so überlebensnotwendig erscheint, reagieren diese Personen dann auch am Heftigsten auf Kritik.

Bei Narzissmus findet ein Krieg in der Innenwelt statt, der sich im Außen in Form von Neid, Eifersucht oder sogar Hass widerspiegelt. Betroffene leiden, weil sie dadurch noch mehr Ablehnung erfahren und das Umfeld leidet mit, wenn Betroffene weiterhin rücksichtslos egozentriert bleiben. 

Um den Krieg zu beenden, darf jeder bei sich selbst im Innen beginnen. Die Verurteilung weglassen und sich selbst fragen: Was hat das, was da gerade im Außen passiert eigentlich mit mir zu tun? 

Wenn Du magst, kannst Du einmal bei Dir selber schauen um Dich zu reflektieren: 

Ist Dein Verhalten mehr egozentriert oder exozentriert?
Ist es Dir auch schon mal schwer gefallen Schwäche zuzugeben oder gar zu zeigen?
Fehlt es Dir auch manchmal an Einfühlungsvermögen?
Wechselst Du bei Kritik auch mal in den Abwehrmodus?
Hast Du Dich schonmal zu wenig geliebt gefühlt?
Wie steht es um Deinen Selbstwert?
Wolltest Du auch schonmal im Mittelpunkt stehen?
Hast Du schonmal jemanden abgelehnt, der anderer Meinung war als Du?
Warum zeigst Du Dich auf Social Media? Geht es darum Aufmerksamkeit und Applaus zu bekommen oder willst Du Menschen mit Deinem Angebot erreichen, um die Welt zu einem noch schöneren Ort zu machen?

Wir alle haben narzisstische Facetten, die sich mal mehr mal weniger zeigen. In meiner Wahrnehmung sind sie abhängig vom Reifegrad unserer Selbstliebe. Wir alle sind hier um zu lernen und zu wachsen, um zur besten Version unserer Selbst zu werden. Wenn Du also etwas tun willst (nicht für oder gegen Narzissmus, denn dadurch bist Du wieder in der Bewertung), dann arbeite an Deinem Selbstwert! Suche die Anerkennung nicht mehr im Außen, sondern gib sie dir selbst! Dann fällt einem gar nicht mehr ein andere abzuwerten, um selbst besser dazustehen. Lass jegliche Überheblichkeit fallen und bleib mit Deinen Mitmenschen auf Augenhöhe. Sei stolz auf das, was Du erreicht hast und feiere Dich! Feiere aber auch andere und ihre Erfolge als Teil der großen Menschheitsfamilie. 

Nur weil jemand ehrgeizig ist und sich gut durchsetzen kann, ist er oder sie nicht gleich ein Narzisst. Ich bin sowieso dafür, dass wir alle Stempel und Schubladendenken loslassen. Aber man darf darüber sprechen und dazu ist es auch wichtig es zu benennen, nur dann eben nicht einfach alle über einen Kamm zu scheren. Strebe weiterhin danach Dich selbst und Dein volles Potential zu verwirklichen, aber bewahre Dir dabei bitte immer die Demut und Nächstenliebe. Ich lade Dich ein ab sofort achtsamer mit dem Wort „Narzisst“ umzugehen.
Denn hinter jeden Satz, den Du über jemand anderen aussprichst, könntest Du hintendran hängen: „… genauso wie ich!“

Wer in der Selbstliebe ganz bei sich angekommen ist, der lebt das Geben und Nehmen auf ausgeglichene Art und Weise. Ich wünsche mir für uns alle eine gesunde Form der Selbstliebe! Denn jeder Mensch braucht eine liebevolle Annahme seiner Selbst und dass die eigenen Bedürfnisse geachtet, wahrgenommen und erfüllt werden. Auf dem Weg zu mehr Selbstliebe gilt es für uns alle die Balance zu halten. In Selbstachtung und im rücksichtsvollen Umgang miteinander. 


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Kommentare

11.02.2023 | Ingrid Fink

Danke Steffi für den wertvollen Beitrag


10.02.2023 | Aneta

Danke für den interessanten Inhalt. Mega geil. Danke Steffi. Es macht wieder klick.


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